Entlastung für Autobahnen - Oberweser wird aber
nicht ausgebaut
Von Frank Thonicke
KASSEL. Im drohenden
Verkehrsinfarkt mit immer mehr Lastwagen auf den deutschen Straßen
könnten Flüsse und Kanäle ein Ausweg sein. Allgemein wird von einer
"Renaissance der Binnenschifffahrt" gesprochen. Auch das
Bundesverkehrsministerium setzt auf den Transport von Gütern auf
dem Wasser. Werden in diesem Jahr noch 565 Millionen Euro für den
Erhalt und Ausbau der Bundeswasserstraßen ausgegeben, so werden es
im nächsten Jahr 670 Millionen Euro sein.
Auch auf der Oberweser tut sich seit Jahrzehnten
wieder etwas: Die Maschinenbau-Firma Richter aus Hessisch Lichtenau
(Werra-Meißner-Kreis) lässt tonnenschwere Guss-Teile mit
Frachtschiffen transportieren. Um genug Wasser zu haben, muss aber
jedes Mal Wasser aus dem Edersee abgelassen werden. Der nächste
Transport steht am 31. Juli an, und ab kommendem Wochenende wird
schon zusätzliches Wasser über Eder und Fulda in die Weser
geleitet.
Berlin winkt ab
Um das Ablassen des Edersees zu vermeiden, fordern
nun viele einen Ausbau der Oberweser, um sie ständig schiffbar zu
machen. Im Bundesverkehrsministerium winkt man aber ab: Ausbaupläne
gebe es zurzeit nicht.
Die deutsche Binnenschifffahrt wartet unterdessen
mit einem Rekordergebnis auf: Im letzten Jahr wurden 249 Millionen
Tonnen Güter transportiert - so viele wie noch nie. 2003 waren es
noch 220 Millionen Tonnen.
Um die gleiche Menge zu transportieren, müssten
täglich 28 500 Lastwagen eingesetzt werden. Im Verkehrsministerium
begrüßt man den Boom der Binnenschiffe. Staatssekretärin Karin
Roth: "Das bedeutet weniger Staus auf den Straßen, weniger Lärm und
Abgase für die Menschen."
Quelle: HNA Melsunger Allgemeine