Vor dem Schwertransport kontrollieren Fachleute die
Fahrzeuge auf ihre Verkehrssicherheit
Von Helmut Krischmann
Hann. Münden. "Hier, ein minikleiner Nagel",
ruft der Polizist bei der Kontrolle eines der Lkw-Reifen. Sie
gehören zu einem 48 Meter Anhänger, den sechs Fachleute der
niedersächsischen und der hessischen Polizei auf dem ehemaligen
Wasserübungsplatz in Gimte sehr sorgfältig unter die Lupe nehmen.
Und das ist gut so. Denn der 24-Achsen-Anhänger und die beiden
anderen Hänger werden am kommenden Samstag eine enorm schwere Last
tragen müssen. Es sind drei Gussteile, jedes wiegt über 200 Tonnen,
die in Hann. Münden auf drei Tieflader verladen werden und vom
Weserhafen über die B 80, die Autobahn 7 und die B 7 zur
Maschinenbaufirma Richter in Hess. Lichtenau befördert werden.
Last auf viele Achsen verteilt
"Drei Schwertransporte dieser Art, das ist außergewöhnlich",
sagt Lutz Schulz. Der Oberkommissar von der Polizeidirektion
Hannover ist einer der Experten, die die technische Sicherheit der
Fahrzeuge prüfen. "Wir kontrollieren Bremsen, Reifen,
Zugverbindung, Achslasten und das Gesamtgewicht." Später kommen die
Tieflader auf die Waage. Experten wiegen die Anhänger - mit und
ohne Beladung.
Das alles ist notwendig, um sicherzugehen, dass der Konvoi nicht
zu schwer wird für die Werratalbrücke der A 7. Um die Radlast zu
verringern, erläutert Schulz, werde ein 22-Achsen-Anhänger vor dem
Überqueren der Brücke um zwölf auf 34 Achsen erweitert.
Haben die Kontrolleure die Transportfahrzeuge für verkehrssicher
befunden, können sie vom Wasserübungsplatz zur Umschlagstelle
fahren. Dort warten die Spezialkräne, um die Gussteile auf die
Ladefläche des Anhängers zu hieven.
Axel Richter, Chef der Maschinenbaufirma, wird am Samstag beim
Transport dabei sein. Er und Prokurist Joachim Kraus werden
durchatmen, wenn alles glatt über die Bühne gegangen ist. Der
logistische Aufwand ist sehr hoch. Zwei Schubleichter aus Polen
brachten die Fracht vom Duisburger Hafen nach Hann. Münden. Diese
Schiffe orderte die Firma Richter, damit aus der Edertalsperre
nicht extra Wasser abgegeben werden muss. Die flachgehenden
Schubleichter können nämlich auch bei niedrigem Wasserstand - etwa
einem Meter - noch fahren. Der Wasserweg ist nicht das Problem,
aber der auf der Straße. Über 100 000 Euro, so Richter, habe die
Firma ausgeben müssen, um die Statik der Brücken zu berechnen, die
beim Transport überquert werden.
Um Kosten zu sparen, überlegt der Unternehmer, die Fracht auf
dem Wasserweg bis nach Kassel zu bringen. "Es gibt erste
Voruntersuchungen", sagt Richter. Der Vorteil wäre, der restliche
Weg über die Straße wäre kürzer. Vom Kasseler Hafen ginge es über
die B 7 nach Hess. Lichtenau. Doch das ist Zukunftsmusik.
Der nächste Transport eines 300-Tonnen-Gussteils ist bereits für
Anfang bis Mitte September eingeplant. Bis alle Teile, die für die
Schmiedepresse der Firma Saarschmiede in Völklingen gebraucht
werden, bearbeitet sind.
Quelle: HNA Lossetal
vom 19. Juni 2009, www.hna.de