Tausende Menschen feierten an der Strecke des Giganten
von Münden nach Hess. Lichtenau
Hann. Münden/Kassel. Lachende und winkende Menschen an den
Straßenrändern, die mit Bier und selbstgegrillter Bratwurst eine
Party feierten - der gigantische Schwertransport, der in der Nacht
zum Sonntag durch die Region rollte, wurde zum großen
Volksfest.
Tausende Menschen entlang der Strecke zwischen Hann. Münden
(Landkreis Göttingen) und Hessisch Lichtenau (Werra-Meißner-Kreis)
wollten sich das Spektakele nicht entgehen lassen. Sogar die
Brücken über die Autobahn waren dicht bevölkert - die ersten
Schaulustigen waren gegen 18 Uhr gekommen und harrten um drei Uhr
nachts immer noch aus.
Auch für die Anwohner des Edersees war der Transport schon ein
Erfolg, bevor er überhaupt richtig begonnen hatte. Denn erstmals
musste für einen Schwertransport über die Weser nach Hann. Münden
kein Wasser aus dem Edersee abgelassen werden. Die neuen Schiffe,
die nur noch eine geringen Tiefgang haben, machen es möglich. Und
das zuständige Wasser- und Schiff-Fahrtsamt in Hann. Münden
versichert: Auch künftig wird für Transporte kein Edersee-Wasser
mehr benötigt.
Um 17 Uhr waren die drei Sattelzüge mit ihrer schweren Last
(Gußeisenteile zu 250, 240 und 210 Tonnen, die in England
hergestellt wurden und bei der Firma Richter in Hessisch Lichtenau
bearbeitet werden) in Hann. Münden losgefahren. Die Eisenteile
waren per Schiff aus Sheffield über Duisburg, den Mittellandkanal
und die Weser nach Südniedersachsen gelangt.
Und auch der Transport auf der Straße klappte trotz einiger
Stunden Verzögerung außerordentlich gut. Nur einer der 544 Reifen,
die die drei Anhänger hatten (zwei 24-Achser und ein 20-Achser)
platzte. Er wurde aber schnell ausgewechselt.
Als besonders anspruchsvoll für die Techniker erwies sich die
Passage der Werratalbrücke auf der Autobahn 7. Das schwerste
Gusseisenteil wog mitsamt Zugmaschine und Anhänger rund 500 Tonnen.
Damit war die Belastungsgrenze der Werra-Brücke erreicht.
Um eine Gefährdung auszuschließen, hatten die Experten ein
völlig neues System erfunden: Erstens wurde die Last auf eine zehn
Meter breite Plattform verteilt. Und damit Zugmaschinen und
Anhänger nicht zur gleichen Zeit die Brücke belasteten, wurde der
Anhänger von zwei Zugfahrzeugen mit einen dicken Stahlseil über die
Brücke gezogen. Allein das dauerte fast eine Stunde.
Der Transport war 17,5 Stunden unterwegs. Auch das letzte Stück
bis nach Hessisch Lichtenau hat er gut überstanden. Um 9.35 Uhr
erreichte er sein Ziel, die Firma Richter in Hessisch Lichtenau, wo
die Gusseisenteile nun weiter bearbeitet werden. Firmenchef Axel
Richter war glücklich: "Alles ist gut gelaufen. Das ist ein
Super-Gefühl." In zehn Wochen sollen die fertigen Teile ins
Saarland transportiert werden.
Quelle: HNA Kassel vom 22. Juni 2009,
www.hna.de