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Seite: Renaissance der Binnenschiffe

Druckversion vom 04.09.2008
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Hintergrund: Weniger Energie

Der Transport von Gütern mit Binnenschiffen macht angesichts steigender Energiepreise Sinn: Nach Berechnungen beträgt der Energieverbrauch, der benötigt wird, um eine Tonne Ladung 100 Kilometer weit zu transportieren, bei Binnenschiffen nur etwa ein Viertel des Energiebedarfs von Lkw. Auch die Bahn kann nicht mithalten. Ex-Umweltminister Klaus Töpfer: "Die steigenden Treibstoffkosten und die Debatte um den Klimaschutz werden den Verkehr nicht auf die Schiene, sondern auf die Flüsse drängen." (tho)

Hintergrund: 2 500 Binnenschiffe

In Deutschland gibt es 2 500 Binnenschiffe, die Güter transportieren. Dazu kommen noch etwa 1 000 Fahrgast- und Ausflugsschiffe - so viele wie nirgendwo in Europa. Insgesamt sind in der deutschen Binnenschifffahrt rund 8 000 Menschen tätig. Die Binnenwasserstraßen in Deutschland sind 7 300 Kilometer lang. 75 Prozent sind Flüsse, 25 Prozent Kanäle. Über 80 Prozent der Güter werden über den Rhein transportiert. (tho)


Renaissance der Binnenschiffe?

Übersicht der Bundeswasserstraßen
Bundeswasserstraßen
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Über die Oberweser wird nun wieder regelmäßig Fracht transportiert - Vertiefung noch nicht geplant.

Von Frank Thonicke

KASSEL. Zurzeit sind noch 140 Millionen Kubikmeter Wasser im rund 200 Mio. Kubikmeter fassenden Edersee. In den nächsten Tagen wird er leerer. Dann ab dem Wochenende wird das Wasser- und Schifffahrtsamt in Hann. Münden Wasser ablassen.

Der Grund: Am 31. Juli werden zwei Frachtschiffe über die Oberweser nach Hann. Münden kommen. Sie sind mit 407 Tonnen schweren Guss-Eisenteilen beladen, die aus England kommen und für das Unternehmen Richter in Hessisch Lichtenau (Werra-Meißner-Kreis) bestimmt sind. Damit die Schiffe genug Wasser unterm Kiel haben, muss es aus dem Edersee abgelassen werden. Im Gegenzug wird die Firma Richter - ein weltweit tätiger Produzent großer Maschinenteile - für eine Schmiedepresse ein 166 Tonnen schweres Gussstück verladen, das zurück nach England geht.

"Der einzige Transportweg für so schwere Teile ist der Wasserweg", sagt Joachim Kraus, Prokurist und Vertriebsleiter bei Richter Maschinenbau. Denn viele Autobahnbrücken seien zu alt. Kraus: "Bei 130 Tonnen fangen die Schwierigkeiten an. Wir sind froh, dass wir die Oberweser als Ventil gefunden haben."

Ende Juni war die Mündener Weserumschlagstelle von der Firma Richter nach 30 Jahren wieder aktiviert worden. 250 000 Euro wurden in Verladekräne investiert. Es gab bereits zwei Transporte.

Steht damit eine Renaissance der Binnenschifffahrt auf der Oberweser bevor? Tatsache ist, dass das Unternehmen Richter mit 200 Beschäftigten weitere Maschinenteile über den Fluss transportieren wird. Für Ende August und Anfang September sind bereits zwei weiter Transporte beim Schifffahrtsamt angemeldet. Der Nachteil: Jedes Mal muss Wasser aus dem Edersee abgelassen werden. Denn normalerweise ist die Oberweser zu flach. Bei einem Pegel von 1,20 Meter in Hann. Münden ist dort nun ein Meter Wasser im Fluss. Das ist zu wenig für die meisten Binnenschiffe. So hoffen viele, dass die Oberweser eines Tages ausgebaggert wird. Ein Interessent könnte auch der Kasseler Düngemittel-Produzent K+S sein. Das Unternehmen könnte theoretisch das salzige Abwasser der Halde in Neuhof bei Fulda mit Lastwagen nach Hann. Münden bringen, um es dort in Schiffe zu verladen, die es zur Nordsee transportieren. Dies hat K+S schon durchgerechnet. Ergebnis: Bisher lohnt es sich nicht.

Das sähe anders aus, wenn die Oberweser ständig schiffbar wäre. Dach Pläne für einen Ausbau gibt es derzeit nicht.

Quelle: HNA Melsunger Allgemeine

 


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